Interviews

Gespräche mit mir in Presse und Magazinen

Zwei Interviews: über den Weg aus der Komfortzone in die Selbstwirksamkeit – und darüber, wie Psychotherapie im höheren Alter zu einem Neubeginn verhelfen kann.

Grüne Wirtschaft · November 2025

Aus der Komfortzone in die Selbstwirksamkeit

Gerald Hrdlicka begleitet in seiner Praxis Menschen durch vielfältige Lebenssituationen.

»Ob Kinder oder Erwachsene, oft verlieren wir unsere Mitte und das Vertrauen in uns und unser Leben. Die Gegenwart ist schwer aushaltbar und die Zukunft nicht vorstellbar.«

Durch Stärkung der eigenen Persönlichkeit, das Erkennen von Zusammenhängen und den Mut, wieder »ja« zum Leben zu sagen, führt Gerald Hrdlicka seine Klient:innen durch die Widrigkeiten des Lebens wieder zu ihrer Mitte. Als Lebensberater, Gestalttherapeut, Coach und Mediator hat er dafür eine breite Palette an Interventionen und Möglichkeiten, um Körper und Seele wieder miteinander in Einklang zu bringen. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Überlastungs-Depression, Ängste und ADHS.

Mag. Gerald Hrdlicka mit dem Buch Factfulness in seiner Praxis
Foto: privat · aus dem Interview der Grünen Wirtschaft

Was hat dich inspiriert, dich selbstständig zu machen?

Gerald Hrdlicka: Das war eigentlich so nicht geplant, es hat sich aufgrund einer beruflichen Veränderung ergeben. Das Aufkommen des Internets und die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung des Alltags haben mich zu einem Schwenk in meiner beruflichen Ausrichtung gebracht.

Mein Ziel wurde wieder die Arbeit direkt mit Menschen. Meine Zeit als Trainer in der Erwachsenenbildung und Lehrgangsleiter in psychosozialen Ausbildungen bot mir dafür ein starkes Fundament. Die Ausbildung zum Psychotherapeuten brachte mich noch einen Schritt weiter in die Selbstständigkeit und die Möglichkeiten, mit meinen Klient:innen ganzheitlich zu arbeiten.

Was ist »grün« an deinem Unternehmen?

Gerald Hrdlicka: Meine Auffassung meines Berufs verbindet Mensch und Natur zu einem zusammenhängenden Organismus. Zumindest versuche ich, das zu vermitteln und zu leben. Mein Ziel ist es, nachhaltige Veränderungen im Leben meiner Klient:innen zu unterstützen und zu begleiten.

Auch mein eigenes Lebensumfeld versuche ich emissionsfrei zu gestalten: durch das Installieren einer PV-Anlage und den Umstieg auf Wärmepumpe und E-Auto. Meine Ernährung gestalte ich möglichst fleischlos und lege den Fokus auf Obst und Gemüse aus der nahen Umgebung.

Wofür brennst du als Unternehmer?

Gerald Hrdlicka: Ich möchte Menschen dabei unterstützen, ihre Möglichkeiten zu erkunden und zu erweitern und die Zusammenhänge von Psyche und Körper spüren und leben zu können. Es bereichert mich, wenn Klient:innen ihre Selbstwirksamkeit wieder spüren können und nicht mehr im Stillstand verharren. Die Komfortzone zu verlassen und neue Wege zu sehen, spüren und gehen zu können, das ist für mich das Ziel. Kurzum – das Leben zu leben, wie es ist, im Hier und Jetzt.

Das Interview führte Michaela Pasterk. Erschienen bei der Grünen Wirtschaft, November 2025. Abdruck mit freundlicher Genehmigung. Zum Originalartikel bei der Grünen Wirtschaft

Gesund & Leben · Ausgabe 12/24

Ein Neubeginn im Alter

Die Kinder sind erwachsen, das Berufsleben vorbei – und was kommt jetzt? Psychotherapie kann in höherem Alter dabei unterstützen, sich neu zu orientieren und das Leben zu genießen.

Der Körper verändert sich, wenn man älter wird. Beschwerden und Krankheiten tauchen auf. Doch auch die Psyche erlebt im letzten Abschnitt des Lebens manchmal turbulente Zeiten: Die Kinder sind erwachsen und die berufliche Laufbahn ist zu Ende. Soziale Kontakte werden weniger und die ersten Freunde versterben. Wenn die Orientierung im Leben fehlt, kann eine Psychotherapie dabei helfen, wieder neuen Mut zu schöpfen.

Sonnenstrahlen brechen durch dunkle Wolken

Was bin ich noch wert?

Immer häufiger kommen auch ältere Menschen in die Praxis von Psychotherapeut Mag. Gerald Hrdlicka. Er ist für das NÖ Hilfswerk im Bereich Kinder, Jugend und Familie als Therapeut in Baden tätig. Ältere Menschen, so der Experte, bemerken oft an körperlichen Symptomen, dass sie psychisch etwas belastet: Antriebslosigkeit, Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Interessenlosigkeit, aber auch Appetitlosigkeit und Panikattacken machen sich bei ihnen bemerkbar. So unterschiedlich die Menschen selbst sind, so vielfältig sind auch die Themen, mit denen sie zur Psychotherapie kommen: „Ein großes Thema ist die Einsamkeit. Freunde und Bekannte versterben. Das kann zu einer Depression führen“, sagt Hrdlicka.

In Partnerschaften macht sich häufig der Altersunterschied bemerkbar. Gerade in den Jahren zwischen 70 und 80 Jahren gibt es einen großen Unterschied. „Oft versucht der ältere Partner, mit dem jüngeren Partner mitzuhalten. Umgekehrt fällt es Menschen aber auch oft schwer, sich einzugestehen, dass man ein gewisses Alter erreicht hat.“ Die psychomotorische Verlangsamung im Alter spielt dabei eine Rolle, denn der Körper ist nicht in der Lage, dasselbe Tempo wie in jüngeren Jahren aufrechtzuerhalten. Das Thema Sexualität nimmt auch im Alter einen wichtigen Stellenwert ein. Bei Männern sinkt der Testosteronspiegel. Kommt dann noch eine Depression hinzu, geht manchmal die Lust verloren. Etwas, das am Selbstwert des Mannes nagt, sagt der Psychotherapeut.

Ein weiterer Schnittpunkt im Leben ist der Beginn der Pension. Wenn die Arbeit wegfällt, „zerbröselt das Gerüst des Lebens“. Viele Menschen haben keinen konkreten Plan, was sie mit ihrem Leben noch anfangen können. Der Wunsch, etwas Sinnstiftendes zu unternehmen und gebraucht zu werden, ist jedoch groß. Auch die Auseinandersetzung mit dem Tod wird präsent. Und damit die Frage: Was bin ich eigentlich noch wert?

Therapie statt Medikamente

Dass mit ihrer Mutter, ihrem Vater oder den Schwiegereltern etwas nicht stimmt, bemerken Angehörige an verschiedenen Anzeichen: Sozialer Rückzug, langsamere Gestik und Mimik und auch das ständige Wechseln von Gesprächsthemen deuten oftmals darauf hin, dass die Psyche des Menschen leidet. Auch eine Gewichtsabnahme ohne Diät oder eine Erkrankung sollten das Umfeld hellhörig machen. Klagen die Betroffenen über Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen und sind ständig müde, können das ebenfalls Anzeichen sein, dass sie psychisch etwas belastet.

Eine Psychotherapie wird häufig von der Hausärztin oder vom Hausarzt angeregt: „Die Einnahme von Medikamenten steigt. Medizinerinnen und Mediziner empfehlen dann immer häufiger Gespräche statt Tabletten.“ Zu Beginn merkt der Psychotherapeut häufig Unsicherheit bei seinen Klientinnen und Klienten. Wenn sie aber erleben, welche Erleichterung die Therapie und die damit verbundenen Gespräche bringen, werden sie darin bestärkt, weiterzumachen, sagt Hrdlicka. Die Therapie mit älteren Menschen funktioniere im Grunde wie mit allen Erwachsenen – da man im höheren Alter jedoch oft wieder kindliche Verhaltensmuster annimmt, arbeitet der Therapeut auch mit Knetmasse oder Karten, die unterschiedliche Gefühlslagen beschreiben sollen.

Eine neue Lebensphase

In der Therapie holt Gerald Hrdlicka seine Klientinnen und Klienten dort ab, wo sie gerade im Leben stehen: „Oft geht es darum, den Menschen aufzuzeigen, was sie alles im Leben erreicht haben. Sie können die Ernte des Lebens einholen und entspannen. Es herrscht eine neue Unabhängigkeit – die Kinder sind erwachsen, das Berufsleben beendet. Aber gerade da beginnt oft das Problem.“ Die Therapie dient dann als eine Art Orientierungshilfe. Der Klient bzw. die Klientin findet in der Therapie Möglichkeiten, um sich ehrenamtlich zu engagieren und so etwas Sinnvolles mit der neu gewonnenen Zeit anzufangen.

Auch das Thema Beziehung steht häufig im Fokus der Gespräche. Dass im Alter eine andere Art von Liebe im Vordergrund steht, vermittelt der Psychotherapeut seinen Klientinnen und Klienten. Generell sei häufig ein rückwärtsgewandtes Leben das Problem: „Die Menschen vergleichen ihr jetziges Leben mit ihrem früheren Leben. Doch es ist nicht automatisch das, was beispielsweise mit 40 Jahren gut gepasst hat, jetzt auch noch richtig. Viele Menschen denken auch darüber nach, was sie hätten anders machen können. Hier ist es wichtig, zu vermitteln, dass sie im Hier und Jetzt leben sollten“, sagt der Therapeut. Gemeinsam werden Zukunftsideen entwickelt. Dabei ist Mut gefragt: Neugierde auf Neues und die Wohlfühlzone zu verlassen bringt auch im Alter frischen Wind in das Leben. Auch das Verstärken von sozialen Kontakten ist Thema in der Therapie, denn Begegnungen und der Kontakt zu anderen Menschen werden wertvoller.

Ein Blick zurück

Ein großer Schwerpunkt in der Arbeit mit älteren Menschen ist die Biographiearbeit. Dabei steht das Aufarbeiten der eigenen Lebensgeschichte im Mittelpunkt. Denn auch wenn die Merkfähigkeit abnimmt – das Langzeitgedächtnis ist sehr aktiv, erklärt Hrdlicka. Wenn das Leben ruhiger wird, kommen manchmal Themen zum Vorschein, die man jahrelang unter Verschluss gehalten hat. In Begleitung gelingt es häufig besser, tiefer in die eigene Geschichte einzutauchen und diese ohne Angst zu betrachten. Gerade wenn es um Vorwürfe geht, dass man in der Vergangenheit etwas anders hätte machen können, arbeitet der Therapeut mit dem Konzept des Selbstmitgefühls: „Mit niemandem sind wir so streng wie mit uns selbst. Man sollte sich selbst verzeihen und vor allem auch Handlungen von der eigenen Person trennen.“

Bei der Biographiearbeit geht es für den Therapeuten darum, aktiv zuzuhören und nachzufragen. Manchmal erhält der Klient bzw. die Klientin vom Therapeuten auch eine Lupe, um ein mitgebrachtes Familienfoto genau zu betrachten. Dabei geht es ebenfalls um die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit – denn manche Menschen auf dem Foto sind verstorben, mit manchen hat man vielleicht keinen Kontakt mehr, erzählt Hrdlicka. Leiden ältere Menschen an Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit, hilft ihnen das Gespräch in der Therapie, um zu erkennen, dass man nicht hilflos ist und man etwas dagegen unternehmen kann.

In ein paar Wochen steht Weihnachten vor der Tür. Die Weihnachtsfeiertage und die meist damit verbundenen Familienfeiern verstärken oft das Gefühl von Einsamkeit. Menschen erinnern sich an Konflikte mit Verwandten. „Reflexion steht im Mittelpunkt. Und das Gefühl der Wertlosigkeit tritt verstärkt in den Vordergrund.“ Hier hilft es, nicht nur seinen Emotionen Raum zu geben, sondern sich auch auf seinen Verstand zu verlassen. Und damit auch die positiven Seiten im Leben zu sehen und sich auf jene Menschen zu besinnen, die es im Leben gibt. Und so ist das Weihnachtsfest vielleicht gar nicht so einsam.

„Regelmäßige Therapie: Eine Stunde in der Woche nimmt sich jemand für mich. Dieser Umstand hat den positiven Nebeneffekt, dass sich die Menschen wertvoll fühlen.“

Mag. Gerald Hrdlicka in Gesund & Leben

Infokästen aus dem Artikel

  • Psychische Herausforderungen im Alter

    • Einsamkeit: kann Depressionen und Angstzustände bedingen. Betroffene fühlen sich oft isoliert und haben das Gefühl, dass sie niemand versteht.
    • Depression: Traurigkeit, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit deuten im Alter auf eine Depression hin. Ältere Menschen zeigen oft weniger ausgeprägte Symptome, was die Diagnose erschwert.
    • Orientierungslosigkeit: Lebensübergänge, beispielsweise in den Ruhestand, können einen Verlust von Struktur und Sinn herbeiführen. Auch eine Identitätskrise kann entstehen.
    • Angststörungen: Sorgen um Gesundheit oder die Zukunft können in soziale Rückzüge münden.
    • Kognitive Veränderungen: Altersbedingte Erkrankungen wie Alzheimer können zu Verwirrung, Gedächtnisverlust und emotionalen Schwierigkeiten führen.
    • Verlust und Trauer: Der Tod von Partnern, Freunden oder Geschwistern führt häufig zu intensiven Trauerreaktionen. Trauer kann auch zu länger anhaltenden depressiven Zuständen führen, wenn sie nicht angemessen verarbeitet wird.
    • Körperliche Erkrankungen: Körperliche Beschwerden können sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken. Schmerz, Einschränkungen oder chronische Erkrankungen können depressive Symptome verstärken.
  • Mental gesund im Alter

    • Psychotherapie: Regelmäßige Gesprächstherapie kann helfen, die eigene Situation zu reflektieren und neue Perspektiven zu gewinnen.
    • Soziale Kontakte: Der Aufbau und die Pflege von sozialen Beziehungen sind wichtig. Gruppenaktivitäten oder ehrenamtliches Engagement wirken Einsamkeit entgegen.
    • Aktiv bleiben: Körperliche Aktivität und Hobbys fördern das Wohlbefinden und bieten Gelegenheiten, neue Menschen kennenzulernen.
    • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit Gleichgesinnten kann unterstützend wirken und das Gefühl der Isolation mindern.

Text: Daniela Rittmannsberger. Erschienen in Gesund & Leben in Niederösterreich, Ausgabe 12/24 (Ärzteverlag). Abdruck mit freundlicher Genehmigung. Zum Originalartikel bei Gesund & Leben